Interview mit CosPlayer Karash

Auf der gamesCom konnten wir erste Worte wechseln, später verabredeten wir uns zu einem Interview über sein Arthas CosPlay. Doch dabei stellte sich heraus, dass hinter Karash weit mehr steckt als nur ein CosPlayer, aber lest selbst.

Der Gole: Hallo Karash. Danke, dass du dich zu diesem Interview bereit erklärt hast.
Karash: Gerne doch, allseitigen Gruß!
Der Gole: Erzählst du uns ein wenig über dich?
Karash: Klar. Ich bin online als Karash unterwegs und insbesondere in der WoW-Community in verschiedenen Projekten unterwegs. Ich war 2 Jahre lang einer der MVPs in den deutschsprachigen WoW-Foren von Blizzard, ausserdem habe ich 2 Comicserien zu WoW verfasst und ein paar WoW-Machinimas produziert, hier dürfte mein 80-Minuten-Spielfilm „Das Sterben der Wächterin“ am erwähnenswertesten sein.
Der Gole: Wow, das ist eine Menge. Aber warum wir dich ausgewählt haben ist ja eigentlich das CosPlay, keine Sorge, auch zum Rest kommen wir noch. Aber seit wann bist du auch CosPlayer?
Karash: Cosplay ist erst seit Ende letzten Jahres ein kleines Hobby von mir. Mich haben die tollen Kostüme, die man immer auf Fantasy- und Spielemessen sieht motiviert und ich wollte einfach mal ausprobieren, ob ich sowas auch kann.
Der Gole: Wieviele und vor allem welche Kostüme hast du bisher gemacht?
Karash: Letztes Jahr habe ich mich für die GamesCom in Köln als Dovahkiin aus Skyrim verkleidet. Das Kostüm war ein erster Versuch und noch deutlich verbesserungsfähig. Dieses Jahr war ich als der Lichkönig aus WoW unterwegs, ebenfalls für die GamesCom gebaut.
Der Gole: Warum genau diese beiden? Hast du sie auch noch woanders „ausgeführt“ ?
Karash: Bei der Wahl der Kostüme haben verschiedene Faktoren eine Rolle gespielt. Erstmal mussten mir die Charaktere natürlich gefallen, gleichzeitig sollten sie aber auch bekannt genug sein, dass möglichst viele Leute das Kostüm erkennen können. Wenn man als Cosplayer sein Kostüm in der Öffentlichkeit trägt, dann natürlich auch um Leute zu unterhalten und das geht am besten, wenn sie das Kostüm erkennen können. Letztendlich spielte auch der Körpertyp eine Rolle, als Illidan hätte ich mich mangels Waschbrettbauch nicht verkleiden wollen… *hustet verlegen*
Leider sind gute Gelegenheiten zum Tragen eines Cosplays eher selten. Die GamesCom war bisher immer mein Hauptaugenmerk, aber auch auf der RPC in Köln und auf der Connichi in Kassel war ich verkleidet unterwegs. Die SPIEL in Essen werde ich nächsten Monat wohl ebenfalls den Zorn des Lichkönigs spüren lassen. *zwinkert*
Der Gole: Vermutlich weißt du es nicht genau, aber wie lange hast du circa für ein Kostüm gebraucht?
Karash: Nun, da ich viele handwerkliche Dinge erstmal erlernen musste und das ganze ein Feierabend-Projekt war… etwa 6 Monate, würde ich schätzen.
Mittlerweile würde ich aber vermutlich nur die halbe Zeit brauchen.
Der Gole: Das klingt sehr nach: Das Ziel nicht aus den Augen verloren. Was schätzt du, haben dich diese Kostüme gekostet?
Karash: Abgesehen von der vielen Arbeitszeit, die in ein wirklich gutes Kostüm geht, sind auch die Material- und Werkzeugkosten enorm, gerade dann, wenn man eine Plattenrüstung mit vielen Details baut. Da fangen die Gesamtkosten schonmal im mittleren dreistelligen Bereich an und gehen sogar bis in den vierstelligen Euro-Bereich hinein.
Der Gole: Wenn man sich CosPlayer so ansieht, dann fällt einem auf, dass es wohl überwiegend ein weibliches Hobby ist. Teilst du diese Beobachtung?
Karash: Definitiv. Woran das liegt, da kann ich nur mutmaßen. Vielleicht sind die Berührungsängste mit der Kostüm-Thematik bei den Damen da geringer – oder sie ziehen sich einfach nur häufiger gerne schick an als wir. *lacht*
Der Gole: Hat die CosPlay Szene deiner Meinung nach Nachwuchssorgen oder eher das Gegenteil?
Karash: Keineswegs. Zwar bin ich nicht lang genug dabei, um den zeitlichen Verlauf verfolgen zu können, allerdings habe ich schon den Eindruck, dass die Anzahl der Cosplayer zunimmt. Die leichte Verfügbarkeit günstiger Einsteigerkostüme und der technische Fortschritt bei den Arbeitsmaterialien verstärkt diesen Trend noch.
Der Gole: Was würdest du einem neuen CosPlayer sagen? Irgendwelche Tipps fürs erste Kostüm?
Karash: Für ein gutes Kostüm muss man viel Geduld mitbringen und bereit sein, sich ein paar neue handwerkliche Fähigkeiten anzueignen. Zum Glück arbeitet die Community da eng zusammen und hilft sich mit guten Tipps und geteilten Erfahrungswerten.
Der Gole: Kommen wir nun zum Thema Machinima, du hast unter anderem ein 80 Minuten Video gemacht, bei dem es um Maiev Shadowsong geht, sogar Gamona hat darüber berichtet. Woher hattest du die Idee dazu?
Karash: Das Sterben der Wächterin war eine Idee, die mir seit 2008 im Kopf herumschwirrte und die ich 2009 begann, in die Tat umzusetzen. Damals war die Geschichte von Maiev Shadowsong nach den Ereignissen im Schwarzen Tempel offen und ich fand es schade, dass die Geschichte eines meiner Lieblingscharaktere aus Warcraft 3 nicht weitererzählt wurde. Daraufhin habe ich binnen 1 Woche das Skript heruntergeschrieben und mit den Arbeiten an dem Film begonnen, der dann im August 2011 veröffentlicht wurde.
Der Gole: Haben deine Freunde dir bei der Synchro geholfen oder hast du da richtig gecastet?
Karash: Die Synchronisierung war eine der schwersten Aufgaben, da sehr viel Koordination nötig war. Zudem war die Zahl an potenziellen Sprechern, die für ihre Rollen geeignet sind, ein gutes Mikrofon besitzen und kostenlos zu arbeiten bereit sind, eher gering. Glücklicherweise habe ich sehr viel Unterstützung vom Hoer-Talk.de Hörspielforum erhalten, aber auch ein oder zwei persönliche Bekannte haben Rollen übernommen. Die übrigen Sprecher habe ich durch ein Casting gewinnen können.
Der Gole: Ich nehme an, die meisten Sprecher haben dir ihren Text einfach zugeschickt und du hast diesen ins Video eingefügt? Wieviele Arbeitsstunden sind dort insgeamt draufgegangen? Vom ersten Entwurf zum fertigen Video?
Karash: Die Synchronisierung habe ich parallel zur Animation des Films gemacht, was dadurch notwendig wurde, dass ich viel Wert auf Lippensynchronisation gelegt habe, weswegen ich die meisten Szenen erst dann animieren konnte, als ich die fertigen Sätze schon hatte. Eine separate Angabe der Zeit, die die Synchro in Anspruch genommen hat ist also schwierig. Allerdings gab es dabei immerwieder Verzögerungen, weil Sprecher erst nach Wochen dazu Gelegenheit fanden, ihren Text aufzunehmen, oder sich garnicht mehr gemeldet haben.
Der Gole: Das ist schade, aber es fiel mir auch auf, dass „Das Sterben der Wächterin“ sehr synchron ist. Teilweise mehr, als offizielle Videos. 80 Minuten klingt da nach einem Projekt, dass ewig dauern muss, aber wie du schon sagtest, waren es dann doch „nur“ 2 Jahre. Für ein Hobby-Projekt eine enorme Zeit.
Karash: Genaugenommen 1,5 Jahre. Zwischendurch musste ich ein halbes Jahr Pause machen für meine Diplomarbeit. Aber wie auch beim Cosplay gilt: Beharrlichkeit zahlt sich am Ende aus.
Der Gole: Aha, Diplom. Wir lernen dich also noch ein wenig besser kennen. In was hast du denn dein Diplom gemacht?
Karash: Wirtschaftsinformatik. Vorteilhafterweise konnte ich im weitesten Sinne über Videospiele schreiben. Manchmal befasst sich die Wissenschaft dann doch mit den wichtigen Dingen des Lebens… *grinst*
Der Gole: Nochmal auf das Thema Machinima zurück: Hast du irgendwelche Pläne, mal wieder eines zu machen? Oder ist das eher ein „Gemacht, Abgehakt, Nächstes“ System bei dir?
Karash: Seit mein Interesse zum Cosplay gewechselt ist, habe ich noch ein weiteres, halbfertiges Machinima-Projekt, das ich gerne wieder fortführen würde. Dabei handelt es sich um ein Remake des 2007er Kurzfilms „Ashbringer – The Return of Tirion Fordring“ in dem es um Darion Mograine geht.
Der Gole: Wird sicher eine unterhaltsame Sache. Du hast aber auch von Comics gesprochen. Wo können wir diese denn sehen? Hast du die komplett alleine gemacht oder nur die Texte?
Karash: Mein erster Comic – passender wäre vielleicht „Bildergeschichte“ – ist 2007 unter dem Titel „Geschichten von der Scherbenwelt“ erschienen und handelt von den Abenteuern, die ein kleiner Zwerg namens Karash auf der Scherbenwelt erlebt. Die Geschichten finden sich auf mmocluster, einer Fanseite, an deren inhaltlicher Gestaltung ich damals beteiligt war.
Die Fortsetzungsgeschichte „Legenden aus der Scherbenwelt“ erschien dann seit Ende 2008, wurde jedoch leider nur halb fertiggestellt, da ich mich auf halbem Weg mit Blizzard verkracht habe, was auch zu meinem Rücktritt als MVP führte.
Der Gole: Oha. Mit Blizzard verkracht? Was kannst du uns darüber erzählen?
Karash: Eine sich über Lange Zeit ändernde Entwicklungspolitik, Bagatellisierung von Spielerentscheidungen, Content-Kommunismus… viele verschiedene Details, wegen denen mich als Gamer WoW nichtmehr so stark angesprochen hat wie früher. Ich behalte meine aktive Zeit jedoch in guter, teilweise sentimentaler Erinnerung.
Der Gole: Ah, okay, das hört man in der Tat häufiger von Classic Spielern. Letzten Endes hast du aber den Rat umgesetzt, den ich immer in solchen Situationen gebe: Wenn es keinen Spaß macht, spiel es nicht.
Karash: Nichtsdestotrotz habe ich nachwievor einen guten Stand mit dem (mittlerweile größtenteils ehemaligen) Community Team, mit dem ich als MVP lange gut zusammengearbeitet habe. Auf der GamesCom konnte ich mit mehreren aktuellen und ehemaligen Blizzard-Mitarbeiter von der guten alten Zeit schwärmen. Auch wenn einem das Spiel nichtmehr gefällt, soll man sich davon nicht seine schönen Erinnerungen kaputt machen lassen.
Der Gole: Ich denke, diese Weisheit kann man auf viele Bereiche anwenden. Von der Musik Band über eine Tv Serie bis halt zur einem MMO. Veränderung gehört halt zum Geschäft. Aber wo wir gerade dabei sind: WoW hat von 12 auf 7 Millionen abgebaut. Schreibst du das der Entwicklungspolitik zu, der veränderten Community oder hast du eine eigene Theorie?
Karash: Zur Entwicklungspolitik äussere ich mich nichtmehr, zumal mir da 4 Jahre direkte Erfahrung fehlen. Das Alter von WoW und das „Immer dasselbe“ spielen gewiss auch eine Rolle.
Der Gole: Schon 4 Jahre? Und trotzdem ist dir Warcraft noch so wichtig, dass du erst dieses Jahr ein Arthas CosPlay präsentiert hast und ein Machinima fertigstellen willst. Das klingt in der Tat nicht nach Groll.
Karash: Solange ich Activision dabei kein Geld zukommen lasse habe ich kein schlechtes Gewissen. Die Nostalgie genügt mir als Motivation, zumal ja auch noch genügend Leute Projekte zu WoW zu schätzen wissen. Was ich mit der Mists of Pandaria Collector’s Edition anfangen soll, die ich beim Kostümwettbewerb auf der GamesCom gewonnen habe, weiss ich aber immer noch nicht, ich habe ja nichtmal Cataclysm…
Der Gole: Meine Freundin würde sich sicher freuen. Oder vielleicht einer der Leser? Oder vielleicht hast du irgendwann doch mal wieder Lust? Ich selbst war von Cataclysm auch enttäuscht, aber Pandaria macht mir auch wieder mehr Spaß. Aber genug über WoW als Spiel. Du hast Comics gemacht, Videos, Kostüme – bleibt da noch Zeit für etwas anderes?
Karash: Kaum, ich arbeite zur Zeit als Forscher an der Uni Duisburg-Essen und promoviere nebenbei noch. Da ist die Zeit öfters mal knapp.
Der Gole: Man merkt, dass deine Leidenschaft das Rollenspiel ist. Du hast einen Skyrim und einen Warcraft Charakter als CosPlay dargestellt, hast Warcraft Machinimas und Comics gemacht und sogar dein Avatar im Skype ist ein Charakter aus Oblivion (der so ziemlich nervigste überhaupt). Das ist aber nicht genug, du hast sogar Rollenspiel in WoW gemacht. Das ist immens. Hast du auch mal ein Pen&Paper probiert? Kennst du vielleicht sogar das WoW P&P ?
Karash: BY AZURA! IT IS YOU, THE GRAND CHAMPION! … Ähem… Nebenbei leite ich noch eine Shadowrun-Runde, die sich hin und wieder trifft. Mit dem WoW P&P bin ich allenfalls im Hinblick auf Lore-Details, die in den P&P-Büchern erläutert werden, vertraut.
Der Gole: Shadowrun. Welche Version spielt ihr denn da? Noch 3.0 oder „schon“ 4.0 ? Ich muss gestehen, ich habe mich nur marginal mit dem 4er System beschäftigt, ich fand die Änderungen einfach nicht so toll.
Karash: Wir spielen 4.0, auch wenn mich meine Gruppe schon gefragt hat, ob ich überlege, auf 5.0 zu wechseln. Bisher kein Grund dazu, die Bücher sind teuer genug. *zwinkert*
Der Gole: Siehst du, das ist wieder etwas was ich nicht mitbekommen habe. Mir war es noch nicht bekannt, dass es schon ein 5.0 gibt. Ist wohl einfach zu lange her. Damit sind wir auch schon fast am Ende. Was mich abschließend noch interessieren würde: Woher kommst du genau und welche Art von Musik bevorzugst du?
Karash: Ich bin geboren und wohnhaft in Duisburg. Ich weiss die meisten Arten von Musik zu schätzen, aber wenn ich mich auf eine Lieblingsband festnageln lassen müsste, würde ich Subway to Sally sagen.
Der Gole: Danke, dass du dir die Zeit genommen hast.
Karash: Kein Problem und… Ehre dem König, Freund.

Was Machinima eigentlich genau ist, stellen wir euch demnächst genauer vor.
Karashs Machinima findet ihr hier und auch bei YouTube
Seine Comics gibt es hier und hier zu sehen.

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