Vegan ist nicht gleich Vegan?

Ja, man mag es nicht glauben, aber Vegan ist nicht gleich Vegan. Und das auf vielen verschiedenen Ebenen.

Zu erst einmal haben wir da die Definition von Vegan.
Manche Menschen definieren dieses als „strenge Ernährungsform“, weil man eben auf vieles verzichtet oder ersetzt. Dies kann man natürlich so sehen, wird dem Ganzen aber nicht wirklich gerecht. Wobei, es gibt natürlich Veganer, die sich rein auf der Ernährungsaspekt beziehen. Nach meiner Erfahrung sind diese aber eher eine Minderheit innerhalb der veganen Gesellschaft und ist abhängig von den Gründen, warum man es ist. Allerdings kann ich dem „Gesundheitsaspekt“ nicht ganz folgen, wenn man nebenbei noch raucht. Schwierig wird es dann, wenn man aus ethischen Gründen Veganer ist und dann Kosmetik nimmt. für die Tierversuche gemacht wurden. Im Endeffekt finde ich aber die Reduzierung von Leid schon lobenswert und natürlich müssen auch Veganer erstmal in das neue Leben reinwachsen. Alles jetzt und sofort umstellen, das ist bei vielen dann eben doch eine zu große Umstellung, deswegen sind ja viele auch erstmal Vegetarier. Einig ist man sich aber zumindest bei den tierischen Produkten – die dürfen eben nicht sein. In der Regel kann man davon ausgehen: Vegan bedeutet, die Verminderung von Tierleid und der Verzicht auf tierische Produkte – wo immer es möglich ist. (Und das möglich bezieht sich auf alle Aspekte, z. B. auch auf den eigenen Geldbeutel. Wäre ja schon irgendwie sch…, wenn man dem ALG2 Empfänger vorwirft, keine 120 Euro teuren, veganen Schuhe zu kaufen, der aber sonst auf alles andere achtet.)

Die Industrie definiert es aber scheinbar anders.
Da es keine rechtliche Definition von Vegan oder Vegetarisch gibt, kann Wiesenhof auch seinen Bruzzler Vegan nennen. Zum Glück tun sie es nicht, aber bei Produkten, auf denen Vegan steht, muss nicht Vegan drin sein – zumindest frei von tierischen Inhaltsstoffen sind sie dann doch meistens. Aber wir haben ja schon festgestellt, dass es bei den meisten Veganern sich nicht nur darum dreht, sondern zum Beispiel auch um Tierversuche. Hier kann nur eine Recherche helfen, zum Glück sind die meisten Hersteller doch bereit, darüber Auskunft zu geben – ob dies der Wahrheit entspricht ist man eine andere Frage, aber es gibt zum Glück Organisationen, die sehr gut informiert sind und auf die man sich verlassen kann. Dann gibt es aber auch noch Veganer, die einen Schritt weiter gehen und generell auch an die Umwelt denken oder an indirektes Tierleid. Für Palmöl wird in den meisten Fällen der Regenwald gerodet um riesige Plantagen anzulegen. Diese bedrohen natürlich die Tierarten, die in dem gerodeten Wald lebten, der Lebensraum wird kleiner und darüber hinaus sterben auch etliche Tiere bei der Rodung – man spricht von 20.000 Affen pro Jahr für Palmöl. Und dann gibt es da noch die Leute, die neben dem allen auch noch an die Menschenrechte denken. Die Grenze zieht da mal wieder jeder eben für sich.
Man kann aber festhalten: Wo Vegan draufsteht, ist noch lange nicht „dein“ Vegan drin. Die Industrie geht da überwiegend von tierischen Inhaltsstoffen aus, manche Kosmetikhersteller schließen auch Tierversuche ein.

Und dann kommt am Ende ja noch der Mensch bzw. die Wahrnehmung der anderen Menschen.
Der Mensch neigt einfach dazu, zu verallgemeinern bzw. zum Schubladendenken. Hat einen logischen Hintergrund, den man grob mit „Gebranntes Kind scheut das Feuer“ erklären kann, also dem Lernprozess, den man mitmacht, wodurch man bestimmte Situationen einschätzen kann. Sehen wir einen Tiger, sind wir auf jeden Fall angespannt und in Fluchtbereitschaft (wenn wir nicht schon mitten in der Flucht sind), denn wir haben gelernt, dass Tiger Raubkatzen sind und gefährlich. Es sei denn, der Tiger ist in einem Käfig oder Gehege. Denn auch da haben wir gelernt – der kann dann nichts mehr machen. Schubladendenken hat also durchaus einen Zweck, leider funktioniert das heute nicht mehr so ganz gut – denn es reichen (für manche Menschen) schon dämliche Berichte in den Medien um eine Situation, Menschen oder wasauchimmer einzuschätzen. Medienkompetenz gleich Null.
Und da gibt es in diesem speziellen Fall leider eine vorherrschende Meinung – wir halten uns für bessere Menschen, wir sind es aber nicht. Veganismus wird niemals die Probleme der Welt lösen und es ist weltfremd.

Für die Leute, die dieses teilen, habe ich dann ein paar Worte.
Manche von uns sind in der Tat bessere Menschen – nicht, weil wir (bzw. sie) Veganer sind, das hat damit nur in zweiter Linie zu tun. Sondern weil wir uns Gedanken machen und nicht einfach alles als gegeben ansehen. Weil wir uns unserer Macht bewusst sind, als Verbraucher aktiv etwas zu ändern. Ihr findet Massentierhaltung auch doof? Dann unterstützt sie nicht. Ja, wir werden niemals die Probleme der Welt durch Veganismus lösen können, aber es ist besser irgendwas zu tun, als nicht zu hinterfragen. WIR sind nun mal das Volk – und wenn die großen Konzerne sehen würden, dass wir bei der Massentierhaltung nicht mitmachen wollen, dann müssten die sich ändern. Nur so erreicht man was. Und nicht in dem man sagt „Massentierhaltung ist doof, aber Veganer übertreiben es“ während man sich seinen BigMac reinschaufelt.

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