Die Lewis Hamilton Verschwörung

Nicht erst seit dem Motorschaden in Malaysia kursieren die wildesten Theorien über eine Verschwörung in den eigenen Reihen. 

Quelle: https://www.mercedesamgf1.com

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Wie bei jeder Verschwörungstheorie ignorieren die „Gläubigen“ sämtliche Fakten, die gegen eine Verschwörung sprechen und nehmen diese sogar als Beweis dafür an, dass sie richtig liegen.

Zu allem Überfluss heizt Lewis selbst die Theorie noch an, so erzählte er nach seinem Motorschaden, dass ja nur seine Motoren rumspinnen würden und Mercedes ja so viele pro Saison baut. Zugegeben, wenn man sich diese Saison so anschaut, hat Lewis definitiv Pech. Und dieses Jahr ist auch sein Motor der einzige, der einen kapitalen Motorschaden hatte. Allerdings war noch in Monza, also zwei Rennen vorher, Pascal Wehrlein im Manor ausgeschieden – aufgrund eines Motorenproblems. Manor fährt bekanntlich Mercedes Motoren. Haken an der Geschichte – wir reden hier über Technik. Sowas kann einfach passieren. Und wenn man sich nun nicht nur diese Saison anschaut, sondern die gesamte Zeit die Lewis bei Mercedes ist, sieht man deutlich, dass die letzten Jahre über eher der Teamkollege Nico Rosberg Probleme hatte – ironischerweise hatte er den letzten Motorschaden im Mercedes Werksteam in Monza 2015 – in Führung liegend, genau wie Ham dieses Jahr in Malaysia.

Aber damit nicht genug – zu einer echten Verschwörung gehört natürlich noch mehr. Den Ausschlag für diesen Artikel gab ein Facebook Kommentar, in dem behauptet wurde, Max Verstappen hat mit seinem (absichtlichen) Ausfall in den USA und die Stewards mit dem Virtual Safety Car, welches in dieser Situation gar nicht benötigt wurde, da ja kein Öl oder Teile auf der Fahrbahn waren, Nico Rosberg bevorzugt. Nun ist es also nicht mehr nur Mercedes intern, sondern andere Teams und die Offiziellen mischen auch mit. Sogar bei einem Sieg von Lewis wird also erstmal irgendwas gesucht.

Beleuchten wir diesen Vorfall mal etwas genauer. Verstappen ist Holländer und fährt für Red Bull, einem österreichischen Team. Sowohl Verstappen als auch Red Bull sind erfolgsorientiert. Verstappen sagte in exakt diesen Rennen sogar, dass er nicht Rennen fährt um Vierter zu werden. Außerdem kämpft Red Bull um den zweiten Platz in der Konstrukteuerswertung gegen Ferrari. Da haben sie zwar die Nase gut gepolstert vorn, aber da wir ja wissen, dass in der Formel 1 auch mal was schief gehen kann, will man natürlich immer das Maximum haben. Es gibt also für Red Bull und Verstappen keinen logischen Grund, einen absichtlichen Ausfall zu provozieren.

Andere meinten, die Stelle wäre halt gezielt von Red Bull ausgewählt worden um dort eine Bergung zu erschweren. Ersteres stimmt sogar, allerdings hat man gar nicht so groß die Möglichkeit sich da nen Platz auszusuchen. Man merkt ein Problem am Auto und bekommt gesagt, dass man in die Box kommen oder das Auto abstellen soll, wenn möglich, sucht man eine Stelle, wo eine Bergung einfacher ist. Dies war in diesem Fall so. Dafür war aber trotzdem schweres Gerät nötig.

Quelle: auto-motor-und-sport.de

Quelle: auto-motor-und-sport.de

So sah das Ganze aus. Auf den ersten Blick mag man meinen, dass das ja kein Ding ist und man da einfach weiter fahren kann. Haken ist – wenn ein Auto während des Rennens ausfällt, kann das aus vielen verschiedenen Gründen passieren – z.B. kann auch die Lenkung versagen und das Auto geradeaus mit 300 km/h weiterfahren. Schumacher hatte das mal und brach sich dabei die Beine.

Wirklich tragisch wurde es in Japan 2014 – Adrian Sutil drehte sich von der Strecke und musste genauso geborgen werden wie Verstappen. Das Safety Car war unterwegs, es regnete zudem. Jules Bianchi rutschte an exakt dieser Stelle vom Kurs und krachte in den Kran. Er erlag Monate später seinen Verletzungen. (Bilder hierzu erspare ich euch.)

Exakt deshalb wurde das Virtual Safety Car eingeführt. Fahrer fahren dann schlagartig nur noch eine vorgegebene Geschwindigkeit, die Abstände bleiben gleich. Für Hindernisse auf der Strecke, wie Öl oder Trümmerteile kommt nach wie vor das normale Safety Car raus. Wie man also auf die Meinung kommen kann, dass das VSC hier unnötig war kann man wohl nur als realitätsfern bezeichnen.

Natürlich spielte das Nico in die Karten, sicherte er sich so eben den zweiten Platz hinter Lewis – der ebenfalls davon profitieren konnte. (Die beiden Mercedes nutzten die VSC Phase um neue Reifen zu holen und verloren so weniger Zeit als die Konkurrenz.)

Aber es gibt noch mehr. So gilt seit diesem Jahr ein Verbot der Starthilfe, der Fahrer muss wieder selbst kuppeln. Im Jahr 2015 war Lewis einer der besten Starter – dieses Jahr hat er schon einige Male schlechte Starts gehabt. Man könnte jetzt meinen, er kommt mit den neuen Regeln nicht so gut klar, aber natürlich hat Lewis eine andere Erklärung – und zwar jedes Mal. Das eine Mal war die Strecke nass, das andere Mal gibt es eine andere Ausrede. Die Strecke war zwar wirklich nass, aber nur Lewis hatte damit ein Problem. Seine Fans, zumindest die, die an die Verschwörung glauben, denken aber natürlich daran, dass hier seitens Mercedes nachgeholfen wird.

Aber warum sollte Mercedes das tun? Hier wird es wirklich interessant. Mercedes möchte keinen Briten als Weltmeister, sondern den deutschen Fahrer Nico Rosberg, ist ja immerhin ein deutsches Team. Da Nico Lewis nicht auf der Strecke packt, muss Mercedes nachhelfen. Ich könnte das sogar nachvollziehen, gebe es da nicht einen Denkfehler – warum sollte ich einem Fahrer jedes Jahr Millionen zahlen um ihm dann das Auto kaputt zu machen? Auch da haben wir eine Antwort: Damit er nirgends sonst fährt und eine Gefahr wird.
Wo sollte er denn fahren? Er war vorher bei McLaren, die sind seit Honda wieder mitmischt aber weit von dem entfernt was sie früher leisten konnten. Red Bull? Die nehmen keine fertigen Fahrer und setzten auf den eigenen Nachwuchs. Lediglich in den ersten Jahren hatte man Piloten, die schon Namen hatten, seit Vettel kamen aber alle neuen Fahrer von Toro Rosso und die Fahrer dort immer aus den Nachwuchsserien. Ferrari wäre noch da. Die haben aber eben Vettel und Räikkönen. Ferrari glaubt an ein festes Nummer 1 Konzept und das ist nun einmal Vettel. Lewis würde sich dem nicht unterordnen und es gäbe Krach. Also müsste Vettel schon gehen, was aber denke ich unwahrscheinlich ist. Vettel und Hamilton nehmen sich fahrerisch nicht viel und Hamiltons Charakter könnte in Maranello einfach fehl am Platze sein. Alle anderen Teams wären einfach nicht stark genug für Siege, auch nicht mit einem Lewis am Lenker.

Aus Mercedes Sicht macht es also keinen Sinn, Unsummen zu investieren nur um einen Fahrer vom Titel fern zu halten. Statt Hamilton könnte man Hülkenberg oder auch Wehrlein nehmen, beide wären billiger und würden sich mit einer Fahrer Zwei Rolle eher zufrieden geben.

Natürlich gibt es noch mehr. Aber ich bin jetzt schon bei über 1000 Worten. Fakt ist, Lewis hat dieses Jahr Pech, ebenso wie Nico im letzten Jahr. Fakt ist auch, dass Lewis ein verdammt guter Fahrer ist, der sicher das eine oder andere Podium rausgeholt hat, wo ein anderer Fahrer es einfach nicht geschafft hätte. Man sollte aber bei allem Lob nicht vergessen, dass er auch schon zu fiesen Tricks gegriffen hat.
Fakt ist auch, dass wir hier über einen technischen Sport reden wo Probleme einfach auftauchen können. Ebenso wird Nico jedes Mal, wenn es eine Strafe geben könnte auch mit einer belegt. Wäre man böse, würde man da nun sagen, die schillernde Persönlichkeit eines Lewis ist bessere Werbung für den Formel Sport als der eher zurückhaltende Rosberg und deswegen wird Nico benachteiligt. Aber dann würde man eine Verschwörung gegen eine andere austauschen.

Lassen wir also mal alle Theorien außen vor. Diese Saison ist weit spannender als die letzten circa 10 Jahre. Nico hat in den letzten drei Jahren neben Lewis eine Menge gelernt und ist zu einem würden Champion geworden, wenn er es denn wird. Wir sollten uns also vielleicht lieber über die positive Entwicklung eines Fahrers freuen statt versuchen diese schlecht zu reden.

Quelle Bild Lewis Hamilton: F1.wikia.com