Regelung für Fleischimitate

Die Facebookseite der ZDF Nachrichtensendung HEUTE berichtet, dass sich die Lebensmittelkommission auf Geheiß der GroKo nun neue Begriffe für vegane und vegetarische Gerichte ausdenken soll. Weil „Schnitzel“ und „Frikadelle“ trotz Zutatenliste, dem Zusatz „Vegan“ oder „Vegetarisch“ und dem netten V-Label einfach immer noch zu verwirrend ist. Da hilft es auch nicht, dass die Produkte zwar manchmal in der Nähe der Fleischprodukte liegen, aber immer gut abgetrennt – entweder haben sie einen eigenen Bereich in der Nähe des Gemüse oder sie liegen zwischen Fleisch und Milch – manchmal sogar in einem extra Bereich mit allen anderen Sachen dieser Art.

Zumindest kenne ich keinen Supermarkt (und ich kenne einige, sogar welche im Ausland) wo das Soja-Schnitzel direkt neben dem Rinderschnitzel liegt. Heißt also: CDU und SPD halten die Bürger für so dumm, dass sie versehentlich zum falschen Regal gehen, sämtliche Hinweise ignorieren und unabsichtlich ein Produkt namens Vegetarisches Schnitzel kaufen. Ich meine, die hätten das dann auch verdient.

Ist ja nicht so, dass man davon sterben würde, wenn man versehentlich ein Stück Tofu isst. Allergiker mal ausgenommen, aber die schauen schon sehr genau auf die Zutaten. Dass sich die Politik mit sowas beschäftigt halte ich aber für sinnvoll. Nur ist der Ansatz mal wieder vollkommen daneben – statt der Kommission eine Tätigkeit zu geben, die eventuell sinnvoller wäre – wie die Aufklärung über den Gesundheitsgrad eines Produktes. Eine Lebensmittelampel war ja mal im Gespräch, was irgendwie sinnvoller wäre als eine Namensänderung bestimmter Produkte. Lassen wir mal außer Acht, dass ich noch kein „Soja-Rinderschnitzel“ gesehen habe, wie das Bild von ZDF Heute meint. Auch ein „Veganes Wiener Schnitzel“ oder „Veganes Schnitzel Wiener Art“ (so müsste es ja korrekterweise heißen, da es ja nicht aus Kalbfleisch ist) habe ich auch noch nicht gesehen. Was ich gesehen habe sind Produkte wie „Veganbratstück DAS Schnitzel“, „Veganbratstück Virginia Steak“ oder „Veganes Cordon Bleu“. Also immer gut sichtbar, dass das ein Veganes Produkt ist.

Ich stimme zu, dass es irgendwie keinen Sinn macht, eine fleischlose Speise mit „Fleisch“ zu bezeichnen, aber bitte, wer sich über sowas aufregt, der hat offenbar keine anderen Probleme. Und es hilft den Leuten, die für einen Veganer kochen wollen, bei der Auswahl. Uns selbst ist es ziemlich egal, ob da nun Bratstück oder Schnitzel steht. Konsequent würde sowas natürlich nicht umgesetzt, weil sonst müssten auch etliche andere Bezeichnungen wegfallen, wie Käsekuchen, Fleischkäse, Meeresfrüchte und Schoko-Osterhasen dürften nicht mehr Osterhasen heißen – ist ja kein Hase drin.

Und eine Schnitzeljagd wäre dann ja auch nicht mehr machbar, man jagt ja nur einem Stück Papier hinterher und keinem Fleisch. Das verwirrt die Leute bestimmt auch. Oder ist Schnitzel gar nicht zwingend ein Stück Fleisch? Laut Duden ist dies ebenso ein „abgerissenes, abgeschnittenes Stück von irgendwas“ und das lässt auch schon der Name selbst vermuten. Es ist also mal wieder ein Versuch der Lobbyisten dem aufkommenden „Fleischverzicht“ entgegenzuwirken. Wer länger nach einer Alternative sucht, nimmt vielleicht doch wieder Fleisch.