Die Leiden eines Bahnfahrers

Jeder Bahnvielfahrer kennt es. Pünktlich ist man selten. Zumindest gefühlt. Und es wird natürlich immer darüber gemeckert, dabei ist die Deutsche Bahn besser als ihr Ruf. Eine kleine Geschichte dazu als Einleitung. Ich fahre des Öfteren mit Flixbus durch die Republik, Preis/Leistung ist hier ziemlich gut, auch wenn der ICE deutlich schneller und komfortabler ist (und ich diesen immer vorziehe) ist der Bus einfach günstiger und wenn man darauf achten muss, ist der Bus unschlagbar. Ich war also mal wieder unterwegs und er war pünktlich, es reichte noch den für meinen Zug von Ulm nach Blaubeuren. Es war der Samstag vor meinem Geburtstag und um 21 Uhr. Ich wunderte mich, dass ich den Zug dort wartend vorfand, denn eigentlich sollte er circa 5 Minuten vor meiner Ankunft losfahren.

Die Fahrgäste waren schon leicht genervt und ich erfuhr den Grund recht fix, denn der Zugführer gab per Lautsprecher durch „Aufgrund einer Stellwerkstörung verzögert sich die Abfahrt.“ Der Zug fiel am Ende aus, der Zug um 22:15 fuhr mit circa 30 Minuten Verspätung los. Ein Ersatzverkehr war kurzzeitig eingerichtet, exakt ein Bus (für circa 3 Busse an Fahrgästen) brachte die Leute weiter, bevor der Rest (zu dem ich zählte) wieder in den Zug einsteigen durfte. Ich kam gegen 23:30 dann endlich daheim an, rechtzeitig um Geschenke auszupacken.

Die anderen Fahrgäste waren natürlich sehr ungehalten und haben gemeckert, geschimpft und teilweise auch Bahnpersonal beleidigt. Ich war natürlich auch genervt, aber was kann der Bahnangestellte dafür, dass es ein technisches Problem gibt? Vermutlich kann da sogar niemand was für, denn bei technischen Dingen kann immer mal was kaputt gehen. Wir verlassen uns natürlich darauf, dass es uns bei einer Wartung z.B. auffällt, aber auch das ist nicht immer der Fall. Wir kennen es ja alle, heute funktioniert noch alles, wie es soll, aber am nächsten Tag nicht mehr. Der Grund? Unbekannt.

Dann kommt noch der Faktor Mensch dazu. Krankheitsfälle, menschliche Fehler und leider auch Selbstmordversuche (ich war selbst schon bei einem dabei)  erhöhen das Verspätungspotenzial erheblich. Es kann also eine Menge schiefgehen und es wird eine Menge schiefgehen, trotzdem sind Ausfallzeiten und Verspätungen eher gering – objektiv betrachtet.

Im Augenblick (seit 1.8.) pendele ich jeden Tag circa 50 Minuten mit einmal Umsteigen zwischen Wohnort und Arbeitsplatz. Bisher habe ich immer meinen Anschluss bekommen, einmal fiel der Anschlusszug wegen eines Defekts aus und ich musste auf den nächsten warten und einmal saß ich wegen dem Selbstmord im Zug für eine Stunde fest, bis ein Ersatzverkehr, die Polizei und die Rettungskräfte da waren. Effektiv habe ich also bei 20 Fahrten in der Woche und grob 20 Wochen 2 größere Störungen gehabt. Kleinere Verspätungen von ein paar Minuten treten aber fast täglich auf, die man dann beim Einstempeln sieht. So lange der Arbeitgeber da mitspielt, ist das ja auch weniger tragisch, aber nicht jeder spielt da mit. Und es ist natürlich Zeit, die man nachholen muss. Auch wenn es nur 5 Minuten am Tag sind, kann sich wenn man mit der Bahn fährt dann einfach alles nach hinten verzögern.

Prinzipiell ist die Bahn aus umwelttechnischer Sicht zu bevorzugen. Es entlastet den Straßenverkehr, es entlastet die Umwelt und persönlich habe ich im Zug wenigstens die Möglichkeit Zeitung zu lesen.

Aber: Dafür muss sie verlässlich sein. Ich habe Verständnis für alles, was da so passieren kann und es ist ein heftige Organisation den Zugbetrieb zu gewährleisten. Dafür geht wirklich wenig (aus meiner subjektiven Sicht) schief. Wenn man sich aber als Alternative zum Auto aufstellen möchte, dann muss es besser laufen. Wenn ich zur Arbeit muss, dann muss ich mich darauf verlassen können, dass ich rechtzeitig da bin und nur in absoluten Ausnahmefällen Ausfälle zu beklagen habe – und in diesen muss ein SEV schnell eingerichtet sein. Haken ist da aber wohl: All das wird Geld kosten und die Preise werden hochgehen und schon ist der Zug wieder keine Alternative.

Bildquelle: Wolfgang Dirscherl  / pixelio.de