Im Gespräch mit der V-Partei³

V-Partei

Am 20.1.2017 machte ich mich auf den Weg nach Augsburg in die Parteizentrale der V-Partei³ zum Gespräch mit Bundesgeschäftsführer Konrad Harle.

Dabei war es gar nicht so einfach wie man dachte, an so ein Interview zu kommen. Auf der Suche nach Themen für meinen Blog kam ich letzten Endes auf die recht neue V-Partei³, die in diesem Jahr den ersten Geburtstag feiert. Nachdem ich eine kurze Anfrage über das Kontaktformular abgeschickt hatte, bekam ich auch schnell Rückmeldung, dass die Anfrage an die entsprechende Stelle weitergeleitet wird. Leider war es dann damit, erst eine Diskussion in einer veganen Ortsgruppe auf Facebook brachte mich scheinbar wieder ins Spiel. Ich kommentierte, dass ich bereits eine Interviewanfrage gestellt, aber noch keine Antwort bekommen hatte und wurde prompt von Roland Wegener, dem Gründer der V-Partei³ angechrieben. Er gab mir den Tipp, es einfach nochmal zu versuchen, es wird wohl untergegangen sein. Gesagt, getan und es gab eine Rückmeldung. Ein E-Mail Interview wurde vorgeschlagen. Das ist nichts für mich, ich will echte Antworten, die nicht über Stunden formuliert werden können. Ich lehnte das also ab und wurde eingeladen, mit der Bitte, ich solle doch die Fragen vorher schicken. Auch dies lehnte ich ab, umriss aber kurz die Themengebiete, behielt mir aber vor, weitere Fragen die aus den Antworten entstehen, zu stellen. Wir telefonierten dann am Freitag einmal kurz und ich versicherte, dass ich Sprachaufnahmen nicht ins Netz stelle und neutral berichten werde.

Das Zustandekommen des Termins war also holperig, das Erkundigen nach den Fragen war nervig. Aber ich habe Verständnis dafür, dass man als junge Partei sich irgendwie absichern will, ich könnte sie ja auch reinreiten wollen.
Eine Ablehnung mit der Begründung, ich wäre noch zu klein für ein Interview hätte ich übrigens ohne Wenn und Aber akzeptiert.

Umso mehr freut es mich, dass es dann geklappt hat und dann doch recht fix, zwischen (zweiter) Anfrage und Termin verging nicht einmal eine Woche. Die Parteizentrale ist erstmal in den Büros der Firma von Konrad Harle, damit das Telefon auch besetzt ist, ohne dass man extra wen einstellen muss. Als ich zum Termin erschien, redeten wir auch erstmal kurz über seine Firma. Schnell wurde mir klar – wenn Konrad etwas macht, dann mit Begeisterung und 100%.

Ohne dass ich meine erste Frage stellen konnte, legte Konrad dann auch schon los. Fast 800 Mitglieder hat die Partei schon, so genau wüsste er das aber nicht aus dem Kopf, vielleicht sind es auch nur 750. Er kennt den Bundesvorsitzenden Roland Wegener nun seit 5 Jahren, früher war Roland in der SPD. Finanziert wird das Ganze nur aus den Mitgliedsbeiträgen und gerade zu Beginn ist auch eine Menge aus privater Tasche in den Aufbau geflossen. Im Parteiprogramm geht es hauptsächlich um die Umwelt, allen voran die Agraragenda 2030, die das Kernstück darstellt. Hier geht es um die Förderung der bioveganen Landwirtschaft und dem Ende der Massentierhaltung. Da man aber verhindern wollte, eine „Ein-Thema-Partei“ zu werden, kamen noch andere Punkte dazu, wie z.B. die Abschaffung der Zeitumstellung und die Förderung der Elektromobilität.

Parteiprogramm war natürlich ein gute Stichwort, denn zu ein paar Punkten wollte ich mehr wissen. So setzt man sich z.B. für Volksbegehren auf Bundesebene ein. Wir kennen diesen Punkt aus dem Parteiprogramm einer anderen Partei und wir wissen, wohin sowas führen kann. (Brexit) Deswegen wollte ich da genauer Bescheid wissen und fragte nach, ob Konrad da nicht die gleichen Gefahren sieht, nämlich dass die Älteren den Jüngeren eine Suppe einbrocken, die sie selbst nicht mehr auslöffeln müssen.

Konrad meint dazu, dass es bei diesen Volksbegehren eher um innenpolitische Anliegen geht und nicht um außenpolitische. Die Idee kam durch das Volksbegehren in Brandenburg bzgl. der Massentierhaltung. Über 100.000 Menschen hatten sich aufgelehnt und protestiert, am Ende waren sie siegreich. „Man kann für ein solches Thema die Menschen bewegen“, führt Konrad aus. Er weiß aber nicht, ob man diesen Programmpunkt auch so durchziehen kann, da es ein eher untergeordneter Punkt ist.

Auch die V-Partei³ möchte an der Besteuerung von Lebensmitteln etwas ändern, ähnlich wie das Umweltbundesamt.

Nach der Auffassung der V-Partei³ ist der Steuersatz für Fleisch aber nicht zwingend zu erhöhen, wichtig wäre es aber, pflanzliche Nahrungsmittel wie Pflanzendrinks gleichwertig zu besteuern. Das Vorhaben des Umweltbundesamtes kann man aber so lassen.

Wir kamen dann auch auf die Elektromobilität zu sprechen. Ich wollte wissen, was er von der Umweltprämie hält.

„Prinzipiell ist das eine gute Idee“, sagt Konrad dazu. Bürger brauchen einen Ansporn, sich Gedanken zu machen. Ich erzählte ihn also von meinem Artikel zur Umweltprämie und erläuterte auch kurz meinen Hauptkritikpunkt. Ich konnte bei Konrad regelrecht einen Lerneffekt beobachten und am Ende stimmte er zu – man müsse da wohl eher da ansetzen, wo das meiste Kohlendioxid ausgestoßen wird. Er räumte auch ein, dass es viele Punkte im Parteiprogramm gibt, wo das Wissen noch recht dünn ist und man sich noch Verstärkung suchen muss. So auch hier.

Ich hätte gerne jeden einzelnen Punkt des Programms durchgekaut, aber das wäre langweilig geworden und hätte den ganzen Tag gedauert. Also pickte ich mir diese Themen raus, da sie mich am meisten interessierten. Konrad erzählte mir, dass gerade das Parteiprogramm in manchen Punkten sich wahrscheinlich auch ändern wird, je mehr Menschen zusammenkommen. Immerhin wurde es erstellt als die Partei noch recht jung war und wenig Mitglieder hatte.

Nach Konrad entschied man sich eine neue Partei zu gründen, obwohl es schon einige Tierschutzparteien gibt, weil diese in den ganzen Jahren, die sie schon bestehen, nicht wirklich was erreichen konnten. Das ³ im Namen steht übrigens für „Vereint Visionen verwirklichen“. Konrad betonte, dass die Partei gegen Gewalt ist, egal in welcher Form und an wem.

Angesprochen auf das Ziel für die Bundestagswahl antwortet Konrad: Wir gehen da ganz locker ran, es wäre für so eine neue Partei schon ein ambitioniertes Ziel, die 5% erreichen zu wollen. Wir haben noch nicht einmal in jedem Bundesland einen Landesverband, wir sind noch neu und keine Politiker. Schön wäre es, wenn wir die 0,5 % schaffen, dann rutschen wir in die staatliche Parteifinanzierung. Im Augenblick will man erstmal bekannt werden, dafür besucht man Messen und Feste.

Der letzte Bundesgeschäftsführer Florian Harzmann trat nach nur wenigen Wochen im Amt zurück, bis heute gibt es keine Stellungnahme dazu, weder von ihm noch von der Partei.
„Das ist eine schwierige Sache“, meint Konrad. Die Beweggründe kennt auch die Partei nicht wirklich und es ist Florians Entscheidung, die man einfach akzeptieren muss. Wenn er sich dazu nicht äußern möchte, dann ist das sein gutes Recht. Gerade in der Anfangszeit ist es auch nicht unüblich, dass Positionen umbesetzt werden.
Konrad nutzte die Chance, seinem Unmut mal Luft zu machen, was teilweise an Angriffen auf die Partei einprasselte, noch bevor sie überhaupt gegründet war. Es würde anhand eines Likes bei Facebook bereits gegen Personen gehetzt, nicht mal gegen die Partei an sich. Gerade eine Seite, die selbst komplett anonym agiert und Gesprächsangebote immer wieder ablehnt, scheint es sich zum Sport zu machen, gegen alles und jeden zu schießen, der nicht ihrem Weltbild entspricht. Als Quelle dienen dort immer nur Facebook Kommentare, die selten bis gar nicht im Zusammenhang dargestellt werden.
Kritik zu bekommen und mit Kritik umzugehen ist jedenfalls ein Punkt, den man erst erlernen muss. Dass die Vorwürfe aber teilweise verleumderisch sind, das geht gar nicht.

Abschließend wollte ich wissen, mit wem die V-Partei³ koalieren würde. Ob die AfD oder die NPD eine Option wären.
„Absolut nicht,“ entgegnet Konrad sofort, fast schon entrüstet. Koalition kommt nur mit Parteien in Frage, die das Kernziel auch unterstützen wollen. Konrad sieht die AfD allerdings im Bundestag, hofft aber darauf, dass sie sich selbst zerlegt, wie es schon bei vielen Parteien der Fall war.

Unser Gespräch ging fast 2 Stunden und ich muss mich hier wirklich auf die wesentlichen Punkte beschränken. Ich bekam einen guten Eindruck in die V-Partei³ und sie steht wie viele andere Parteien vorher vor den gleichen Problemen – gerade die Unerfahrenheit kann man aber nur durch Üben beheben.

Bilder zur Verfügung gestellt von Konrad Harle.

3 Kommentare

Kommentar verfassen