Fuchs, du hast die Gans gestohlen

Darum ging es vor einiger Zeit in Limburg, ihr erinnert euch sicher. 

Ich wollte da auch erst was zu schreiben, dachte mir aber, dass das irgendwie surreal ist. Mein Kommentar dazu war „Die Dame war sicherlich nicht einfach nur Veganerin, sie war wenigstens noch Jagdgegnerin und vielleicht auch noch Tierrechtlerin.“ Selbst dafür hätte ich es immer noch für „über das Ziel hinaus“ und für „schlecht für die Bewegung“ bewertet, mir ging es auch auf den Senkel, dass in den Medien sehr über den Fakt, dass sie Veganerin ist rumgeritten wurde. Ich war davon ausgegangen, dass nicht so darüber berichtet worden wäre, wenn sie nicht vegan leben würde.

Die Kollegen von ZDDK – Mimikama.at hatten damals schon darüber berichtet, vor allem darüber, dass man da nun nicht kollektiv verurteilen sollte.

Was folgte war eine Welle des Hasses. Eines unglaublichen Hasses. Eines Hasses, der auf keine Kuhhaut mehr geht. Das Rathaus wurde bombardiert mit Anfragen, warum man überhaupt Zeit dafür hat, schreibt der Spiegel, dabei wäre es nur eine Sache von 5 Minuten, wird der Sprecher der Stadtverwaltung Johannes Laubach zitiert. Von Rücktrittsforderungen und massiven Anfeindungen berichtet auch der Focus. Der Aussage von Laubach nach war dies einfach nur eine nette Geste. Ja, auch Stadtverwaltungen und Politiker sind manchmal nett.

Halten wir mal kurz fest worum es genau ging – eine Bürgerin fragt nach, ob man ein Lied von 33 Liedern insgesamt aus dem Sortiment nehmen könnte, da es sie stört. Der Bitte wird nachgekommen. Das wäre niemals so ein Ding geworden, wenn es hier eben nicht um eine Veganerin gehen würde. Eine Zeitung betitelte die Geschichte mit „Veganer Wahnsinn“ ein Bekannter von mir, der selbst kein Fleisch isst, nannte sie „die Irre aus Limburg“.

Aber es ging noch weiter, laut einem weiteren Artikel von mimikama.at bekam die Dame sogar Morddrohungen und musste wegen dem Druck der Öffentlichkeit sogar zur Behandlung beim Arzt. Das geht definitiv zu weit, ist strafbar und steht in keiner Relation zu dem, was vorgefallen war. Aber es gibt ja leider Leute, die nur Überschriften lesen und sich anhand dessen eine Meinung bilden.

Diese immense Verallgemeinerung, die in der Öffentlichkeit passierte, ist allerdings symptomatisch für ein tiefergehendes Problem, dass sich durch alle Bereiche des Lebens zieht – Negativ wahrgenommene Aspekte eines Individuums, das einer Gruppe angehört die man ablehnt (aus welchem Grund auch immer) stehen für die gesamte Gruppe  – Positives sind Einzelfälle und in keiner Weise auf die anderen Mitglieder zu übertragen.

Das passiert uns Veganern, das passiert mit den Flüchtlingen oder Ausländern an sich – das passiert aber auch bei den „Gegengruppen“, also den Fleischessern und Patrioten.

Auch ich verallgemeinere. Schubladendenken ist uns angeboren, damit wir nicht immer wieder aufs neue lernen müssen „Der Tiger ist gefährlich“ und „Feuer tut weh“. Es darf nur nicht solche Ausmaße annehmen, wie es in diesem Fall getan hat, denn das ist kein „natürliches Schubladendenken“ mehr, das ist einfach nur dumm.

Ich schließe mich dem Volksverpetzer bei seinem Artikel auf mimikama.at an.

Wer ist fanatischer? Eine Frau, die angeblich im Scherz fragt, ob man nicht vielleicht das nächste Lied spielen könne oder die tausenden Menschen, die ihr deswegen den Tod wünschen und ihrem Hass ungezügelten Lauf lassen?“

Es ist obendrein verrückt, dass zur gleichen Zeit Kinderpornographie in Limburg gefunden wurde, dies in den Medien aber komplett untergeht. Die Dame hat wohlgemerkt im Scherz gefragt, ob man nicht einfach das nächste Lied spielen könne.

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