Bin ich rechtsoffen?

Ist der Gole rechtsoffen ?

In einer Facebook Gruppe ging es mal wieder um die V-Partei³ und ob sie rechtsoffen ist. Ich verlinke bei sowas immer gerne meine Artikel dazu und ernte regelmäßig Kritik, weil ich „zu harmlos“ war im Interview. Den zweiten Artikel liest wohl keiner mehr, wo ich genau auf diese Punkte eingehe. Schade, denn ich bin es leid, mich immer und immer wieder gleich erklären zu müssen, diese eine Website darf aber unbeanstandet gepostet werden und gilt als unantastbar.

Zugegeben, was die Recherche angeht ist die Seite gut dabei, mir missfällt aber nach wie vor der Schreibstil. Allerdings geht es nun um mich und meine „Rechtsoffenheit“.

Ausgangslage war folgende Aussage von mir.

Ist Der Gole Rechtsoffen ?

Zu dieser Aussage stehe ich. Ich habe wirklich das Gefühl, dass es reicht, jemanden in der Freundesliste bei Facebook zu haben, der die AfD Seite geliked hat um als rechtsoffen zu gelten.

Es entbrannte eine hitzige Diskussion in deren Verlauf ich mich glaube ich um Kopf und Kragen geredet haben, obwohl ich mir extra Zeit zum Nachdenken genommen habe, kam ich mir vor allem nach einer Aussage total überrannt vor.

Ist Der Gole rechtsoffen ?Das hätte ich in der Tat besser ausdrücken können und den Shitstorm danach habe ich auch irgendwie verdient. Allerdings machte der es mir nicht einfacher, den Punkten der Leute zu folgen und ich habe sicherlich welche übersehen. Meine Fragen gingen natürlich ebenfalls unter. An dieser Stelle übrigens wurde ich dann auch als rechtsoffen bezeichnet.

Schuld scheint meine eher liberale Einstellung zu sein. Oder die doch sehr strikte Herangehensweise der „Gegenseite“. Wer sich nicht absolut eindeutig und gegen JEDEN Menschen aus dem rechten Lager stellt, gilt als rechtsoffen. Das ist ja auch das, was ich in meinem ersten Zitat gesagt habe. Das ist mir einfach zu eng gedacht.

Ich dachte, die “ beim Wort Nazis würde meine Intention erkennen lassen. Weit gefehlt. Ich wollte damit anspielen auf die Verallgemeinerung „Nazis“ für alle Leute, die nicht „links genug sind“ anspielen – ging wohl nach hinten los und meine Versuche zur Deeskalation haben, glaube ich, die anderen nur noch angestachelt.

Also versuche ich es mal hier, mit Abstand und Ruhe, ein wenig aufzudröseln. (Mit Gruppe meine ich im folgenden, jegliche Versammlung von Menschen – Sportverein, Facebook Gruppe, Partei, Tierschutzverein, … )

Ich halte nichts davon, Menschen aus einer Gruppe auszuschließen, weil sie die AfD Seite geliked haben. Man sollte sich da nämlich bewusst machen – es gibt nicht wenige, die der AfD ihr Vertrauen schenken, weil sie auf den populistischen Mist der dort verzapft wird, reinfallen. Weil sie Angst haben, die durch Hetze und Fake-News noch geschürt werden.

Dieser Like ist für mich nicht aussagekräftig genug. Deswegen keine Generalverurteilung für AfD-Liker und damit kein Gruppenausschluss. Ich habe nämlich noch die Hoffnung, dass sich manche der Liker und Wähler noch eines besseren besinnen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sowas gelingen kann.

Der Teil „wir alle nicht noch weiter in eine Blase begeben“ wurde nur auf mich bzw. uns bezogen, aber ich meine damit wirklich alle – auch der AfD-Liker lebt in seiner Blase, die wir nur verstärken, wenn wir ihn aus „unseren“ Gruppen ausschließen. Schließen wir den AfD-Liker also aus, erschaffen wir erst recht dieses „Wir gegen die“ Gefühl und sie fühlen sich bestätigt. Zugegeben, das ist ein Drahtseilakt. Die Gefahr besteht, dass man zu lange ein Auge zudrückt oder zu schnell den Menschen aufgibt. In meiner Weltvorstellung sind diese Menschen es aber genauso wert wie jeder andere auch, sich zu entwickeln und ändern.

Wohlgemerkt, ich rede hier nur von dem simplen Like. Wer sich daneben benimmt, der sollte auch vor die Tür gesetzt werden – aber eben auch nicht nur politisch daneben, sondern allgemein daneben. Leute, die gezielt auf Unruhe oder Verbreitung von Fake-News und Hetze aus sind, sollte man ausschließen. Egal ob es dabei um Verschwörungstheorien wie die BRD GmbH, Reichsbürger oder eben „Patrioten“ geht.

Diese haben sich in der Regel als unbelehrbar erwiesen und schädigen das Gruppenklima.

Jetzt haben wir aber zwei Extreme – der eine, der nur einen Like gesetzt hat und sonst komplett unauffällig ist. Und der andere, der eventuell nicht mal den Like hat, aber dafür total auffällig ist. Was ist mit denen, die in ihrem privaten Profil auffällig sind, in der Gruppe aber nicht?

Da habe ich kein Problem damit, wenn diese ausgeschlossen werden – ich würde es nur selbst erst tun, wenn diese auch in der Gruppe damit anfangen oder ihre Äußerungen in irgendeiner Weise auf die Gruppe zurückfallen und damit schaden anrichten. Ich finde nämlich, man sollte erstmal das Gemeinsame sehen (den Sport, Tierschutz, Veganismus) und kann dann eventuell bei manchen vielleicht ein Umdenken in Gang setzen.

Ich rede hier ganz klar nicht von „echten“ Neonazis, die Brandanschläge verüben oder Ausländer angreifen. Diese gehören nicht nur ausgeschlossen, sondern auch eingesperrt. Ich rede hier nur von den „Facebook Rechten“, die nur im Internet laute Töne spucken.

Angemerkt wurde, dass man ihnen damit die Möglichkeit zur Vernetzung gibt. Das ist ein generell valider Punkt, finde ich, aber wie soll das in einer veganen Gruppe vonstatten gehen? Man geht doch nicht in eine Gruppe rein nur um rechte Gesinnungsbrüder zu finden und dann erstmal Tausende von Profilen zu durchforsten. Wenn man Gesinnungsbrüder sucht, sucht man diese wohl eher in einschlägigen Gruppen.

Nun machte ich auch bekannt, dass ich Vorsitzender eines Tierschutzvereines bin. Ein User meinte dazu, dass er deswegen den gesamten Tierschutz kritisch sieht und bezeichnete den Tierschutz auch als „Tierliebhabereigetue“. Das mir sowas persönlich nahe geht sollte nachvollziehbar sein. Erst recht die abfällige Bemerkung mit dem Tierliebhabereigetue.

Ich wies im Verlauf des Gesprächs darauf hin, dass einer meiner Bekannten ebenfalls die AfD geliked hat, sonst aber ein ganz netter Kerl ist und auch den Verein schon unterstützt hat. Das man sich, gerade wenn Gruppen noch klein sind, arrangieren muss mit Einstellungen, die man eher nicht so gerne sieht (Es geht hier immer noch nur um den Like.) und die Hilfe dankbar annimmt. Als Gegenargument wurde angebracht, dass es eben nicht so ist und es ja auch ein Tierheim gab, dass eine Spende des III. Weges abgeschlagen hat. Super Aktion und würde ich genauso machen – Unterschied ist eben, dass das Tierheim auch erst im Nachhinein und durch Zufall davon erfahren hat. Und vor allem, ist der III. Weg nun mal eine bekannte Neonazipartei. Ein Bekannter mit AfD Like ist da eine ganz andere Liga. Und andere Tierheime wiederum waren ehrlich und sagten, dass sie das Geld brauchen könnten, auch wenn man mit solchen Leuten nichts zu tun haben will.

Am Ende bleibt da für mich übrig: Wenn du als Verein Geld nimmst (in meinem Fall war es nicht mal Geld, sondern eben Hilfe) und diese Person hat irgendwas geliked, was man kritisch betrachten könnte, musst du es zurückgeben, sonst bist du rechtsoffen.

Läuft also am Ende dann darauf hinaus, dass ich mich über die Spender erstmal informieren muss.

Fazit

Abschließend möchte ich dann zusammenfassen. Ich bin weder rechtsoffen, noch heiße ich menschenverachtendes Gedankengut in meinem Umfeld (das heißt, privat, im Verein, in meinen Gruppen, auf Arbeit usw.) gut. Ich verurteile aber nicht aufgrund von einem Like, einer Bekanntschaft  oder einem dummen Spruch einen Menschen. Das ist mir einfach zu engstirnig. Wenn ihr prinzipiell jeden aus eurem Umfeld verbannen wollt, der nicht eure Weltanschauung teilt, dann macht das. Ich werde das nicht tun, sondern im Einzelfall entscheiden. Und wenn ich wen aus meinem Umfeld raus werfe, dann nach total subjektiven Gründen. Ich gestehe durchaus ein, dass ich eventuell zu tolerant bei der Sache bin. Warum ich aber so bin, wurde im Verlaufe des Gesprächs deutlich – keiner der dort postenden hat sich mit meiner Person beschäftigt (zumindest wurde behauptet, dass dies auch nicht nötig sei), lediglich aus meiner Haltung „Besorge Bürger“ nicht per se auszuschließen, wurde über mich geurteilt. Ich bin aber mehr als diese Haltung – weit mehr. Und wenn man über mich urteilt, dann bitte über mich als Gesamtpaket. Und genau das versuche ich mit jedem anderen Menschen auch.

Natürlich wiegt „einen Batzen Geld spenden“ nicht einen Brandanschlag auf ein Asylantenheim auf. Gar keine Frage. Aber irgendwo muss man doch auch mal die Kirche im Dorf lassen, wir reden über einen Like bei einer Seite. Der einfach auch mehr als nur den einen Grund haben kann.

 

Hinweis: Ich hab ausschließlich die männliche Schreibweise gewählt. Dies habe ich auch Gründen der Lesbarkeit getan und um die Identität der Kommentierenden zu schützen. Da es sich um eine geschlossene Gruppe handelt, halte ich dies für wichtig.

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