Kompromissbereite Veganer – wo sind sie denn?

Kompromissbereite Veganer

Es gibt sie einfach, die typischen Sprüche die man hört, wenn man sagt, dass man sein Grillgut auf einer Aluschale haben möchte.

Von unflexibel ist die Rede und man solle doch mal Kompromisse machen, oder auch eine Ausnahme. Teilweise kommt sowas sogar von anderen Veganern, die einfach nur einen anderen Maßstab anlegen. Dabei sind die meisten Veganer ständig zu Kompromissen gezwungen.

Inspiriert wurde ich durch eine Unterhaltung in einer Facebook Gruppe, wie man als Veganer am besten eine Hochzeit organisiert. Rein veganes Essen oder doch lieber eine Auswahl für alle? Der Großteil meint, rein vegan würde gehen, denn das kann ja zum einen jeder essen und zum anderen ist es ja die eigene Feier (vorausgesetzt, der Partner spielt mit) und da muss man sich nicht nach den Wünschen der Gäste richten. Der Teil, der sich für die „Auswahl für alle“ entscheid, begründete dies seltener, aber wenn, dann ging es mehr darum, dass ja alle einen tollen Tag haben sollen, was ich auch nachvollziehen kann. Mir fehlt nur die Verbindung zwischen „Fleisch“ und „toller Tag“, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Leute, die zu meinen Veranstaltungen kommen, auch einen tollen Tag trotz veganem Essen haben. Liegt wohl doch eher an der Gesellschaft.

Zwei Beiträge sorgten für rege Diskussion.

Kompromissbereite Veganer

Dieser Poster ist der Meinung, ich breche mit meiner Verwandtschaft, wenn ich kein Schnitzel anbiete. Ich frage mich da – bricht meine Verwandtschaft nicht eher mit mir, wenn sie es nicht schafft, an MEINEM Tag mal auf Fleisch zu verzichten? Ist die Forderung nach Fleisch nicht sogar respektlos? Wer von euch würde auf eine türkische Hochzeit gehen und sich beklagen, dass es kein Bier und kein Schwein gibt? Wahrscheinlich keiner. Warum also geht man davon aus, dass ICH diesen Kompromiss machen muss und nicht der Gast? Der Gast fordert hier ja quasi, dass ich mein Geld nehme und etwas unterstütze, was ich aber gar nicht unterstützen möchte.
Geht ja komplett in Ordnung, wenn davor oder danach noch zur Frittenbude gegangen wird. Aber auf meiner Party muss das nicht sein.

 

Kompromissbereite Veganer

Gleicher Poster erwartet auch Alkohol auf einer Hochzeitsfeier, was gesellschaftlich ja auch üblich ist. Er würde wieder gehen, wenn es keinen gibt. Ich würde niemals auf die Idee kommen, sowas zu fordern, wenn es das nicht geben sollte. Immerhin kann man auch ohne Alkohol seinen Spaß haben. Aber Umerziehungsbootcamp? Weil es kein Fleisch gibt? Daher kommt also das „militante Veganer“ Klischee. 🙂

Diese Beiträge haben mich aber zum Nachdenken gebracht. Wie kompromissbereit sind Veganer eigentlich? Wie kompromissbereit kann man überhaupt sein, wenn man etwas wegen moralischen Werten ablehnt? Würde man von einem Pazifisten die Duldung von Gewalt fordern mit „Mach mal Kompromisse“ ?

Ich kann natürlich nur für mich sprechen, denn ich habe mir eine Umfrage zum Thema mal gespart, wäre ja eh nicht repräsentativ. Es gibt also sicherlich auch andere Besipiele, die ihr mir gerne in den Kommentaren mitteilen könnt, aber ich erzähle mal ein paar Beispiele für Kompromisse die ich so eingehe.

Im Restaurant:

– Ich begnüge mich mit Kartoffeln und Gemüse, weil keiner mit in ein Restaurant wollte, dass eine vegane Auswahl hat
– Ich finde mich damit ab, dass ich nicht bei der Restaurantwahl gefragt werde, ob das okay für mich ist, sondern suche mir dann etwas veganes auf der Karte
– Ich wasche mir die Hände mit Milch und Honig Seife, da ich nur die Wahl zwischen unhygienisch aber leidfrei und hygienisch aber leidvoll habe

Unterwegs:

– Ich richte mich nach den Wünschen der Mehrheit, wenn es um die Pause geht und wo man einkehrt, auch wenn dies McDonalds (und das war es bisher immer) heißt
– Ich trinke und esse etwas (veganes) von Firmen, die ich normalerweise nicht unterstützen würde, weil ich gerade keine „gute Firma“ verfügbar habe

Beim Einkauf:

– Ich gehe in einem Supermarkt einkaufen, obwohl dieser auch Fleisch verkauft und sogar eine eigene Metzgerei hat, da es keine brauchbare Alternative gibt
– Ich kaufe Dosenfutter für Hunde und Katzen, die sonst verhungern würden
– Ich lebe damit, dass ich Schuhe mit unveganem Schuhleim kaufen muss, da mein Geldbeutel derzeit keine komplett vegane Lösung zulässt

Mehr fällt mir jetzt auf die Schnelle nicht ein. Ich denke aber, man sieht, dass ich durchaus Kompromisse mache. Natürlich wird man nun dann auch kritisiert für diese Kompromisse. Man wäre dann ja nur ein Komfortveganer. Ja, Zutatenlisten studieren und Produktanfragen schreiben ist sehr komfortabel. Aber es stimmt schon, ich möchte in meinem Umfeld nicht als der Spinner oder der „unbequeme“ Gast angesehen werden und erst recht nicht von wildfremden Leuten. Natürlich sollte es mir egal sein, was andere von mir denken, aber mir geht es da um die Außenwirkung des Veganers – die Leute differenzieren leider nicht. Es heißt nicht „Der Marco, das ist ein Spinner“ sondern „Diese Veganer, das sind Spinner“, wenn ich mich weigere, bei McDonalds Halt zu machen.

Bei anderen Punkten mache ich aber keine Kompromisse – so z.B. bei Nestlé, Rügenwalder, Wiesenhof und wie sie alle heißen. Warum nicht? Warum eine Ausnahme für Firma A und nicht für Firma B?
Relativ einfach zu beantworten: Stehe ich im Supermarkt, habe ich in der Regel eine Auswahl. Ich kann gezielt das Produkt nehmen, das weniger Leid bedeutet. Ich habe mit meiner Kaufkraft, auch wenn es nur 1,99 € sind, also ein klein wenig Macht und kann damit ein kleines Zeichen setzen. Ich alleine mache da natürlich nicht viel aus, aber wir sind ja nicht alleine.

Diese Wahl habe ich z.B. nicht, wenn ich als Teil einer Gesellschaft unterwegs bin, aus eben den genannten Gründen. Es gibt sicherlich einige Leute, die mich dafür kritisieren, dass ich da nicht zu meinen Idealen stehe und ich kann das nachvollziehen. In einer perfekten Welt, würde ich keine Kompromisse eingehen müssen. Wir sind aber meilenweit davon entfernt.

2 Kommentare

  • ludwig

    Ich würde ein veganes Fest sogar begrüßen. Könnte mir dann sicher gute Anregungen holen als sogenannter „Comfortveganer“ oder „Mensch der nicht ganz drauf verzichten will, aber die Umstände der Tierhaltung ändern will und deswegen sehr wenig bzw. bewusst konsumiert“. Momentan gibt es da für mich nur zwei Lösungen zur Lösung des Problems Tierleid: Die Tiere selber halten oder drauf verzichten. Das ist zwar traurig, aber die bittere Wahrheit.

    Ich finde das ganze hat nichts mit Kompromissen zu tun. Das ganze ist eine politische Entscheidung. Man würde sein Kreuz doch auch nicht bei der AfD machen, nur weil man Kompromisse machen muss (obwohl einige das ja auch machen).

    • Selber halten würde aber bedeuten, dass das Tier immer noch stirbt. Das ist für manche Menschen sicher okay, für die Veganer, die ich so kenne (mich eingeschlossen), aber immer noch kein Grund, wieder Fleisch zu essen oder Milch zu trinken. Aber jede Verbesserung begrüße ich. 100% Vegan wird die Welt leider eh nicht.

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