Die Ehe für Alle ist da

Ehe für alle

Schon am 30.06.2017 beschloss der Bundestag die Ehe für alle, eine Woche später kam der Bundesrat zum selben Ergebnis. Demnächst dürfen also nicht nur Mann und Frau heiraten, sondern auch gleichgeschlechtliche Paare.

Eines vorweg: Ich bemühe mich hier um absolut neutrale Formulierungen. Sollte ich mit einem Begriff jemanden verletzen oder diskriminieren oder anderweitig jemanden zu nahe treten, sagt es mir bitte. Ich kümmere mich dann drum. Ich meine es ganz sicher nicht böse.

Dieses Ergebnis kann man jedenfalls als historischen Moment bezeichnen, auch wenn wir schon seit ein paar Jahren eine „Light-Version“ hatten, nämlich die eingetragene Lebenspartnerschaft. Diese hat aber einige Unterschiede zur „richtigen“ Ehe. Und schon kamen die ersten Kritiker, meist ultrakonservativ, aus der Ecke und nörgelten rum. Das wäre ja verfassungswidrig.
Zur möglichen Verfassungswidrigkeit lege ich euch einen Kommentar beim Tagesspiegel von Jörn Ipsen ans Herz. Absolut lesenswert.

 

Kurzfassung: Die Ehe für alle ist verfassungswidrig, kann aber nur vom Bundesverfassungsgericht im Rahmen eines Normenkontrollverfahrens geprüft werden. Dies kann nur eine Landesregierung anstoßen, ein Bürger oder eine Partei nicht. Das würde nur gehen, wenn das Gesetz in die Rechte von Personen eingreift, was hier nicht der Fall ist.

Mir geht es hier weniger um den rechtlichen Aspekt, sondern um den moralischen.

Als Gegenargument hört man ja öfter mal, dass Schwule einen anderen Lebenswandel haben, mit häufig wechselnden Partnern und dass dies nicht einer Ehe entspricht.

Ja, da kann man denke ich nichts gegen sagen. Aber, warum betrifft dies nur Schwule? Es gibt auch Heteros, die nichts von der Ehe halten und sich durch die Gegend vögeln. Und es gibt Ehepaare, die sich abgöttisch lieben und eine Hand für den Partner opfern würden, im Bett aber auch mal andere Personen haben. Spricht in meinen Augen auch absolut nichts gegen, so lange alle Bescheid wissen und damit einverstanden sind. Sollen nun also auch Hetero-Ehen verboten werden, weil es Menschen gibt, die Swinger Clubs besuchen?

Was meiner Meinung nach aber dem Fass den Boden ausschlägt ist dieser Post einer wütenden Frau.

Ehe für Alle

Nehmen wir uns den doch mal Satz für Satz vor.

Welcher Mann will denn jetzt noch eine normale Frau? – Ich wage da frech zu behaupten, fast jeder. So fern der Mann eine Frau will, wird er eine normale wollen. Wie dieser Mann normal definiert, ist eine andere Geschichte.

Wenn er jetzt offiziell seine Perversion ausleben darf? – Das durfte er auch schon vorher, denn Homosexualität ist genauso wie BDSM, Analsex und Fisten vollkommen legal. So lange man nicht gegen Gesetze verstößt, ist es also immer möglich „seine Perversion auszuleben“. Was auch immer das heißen soll.

Hast du dich schon mal gefragt, warum es einen sichtlichen Unterschied in den Geschlechtsorganen gibt? – Nein, ehrlich gesagt nicht. Mir war irgendwie schon immer klar, dass die Geschlechtsteile erstmal aus reiner Effizienz so aussehen, wie sie aussehen.

Wie werden Babys gezeugt? Indem Mann und Frau sich paaren. Und nicht Mann zu Mann und Frau zu Frau. – Biologisch gesehen absolut korrekt. Nur seit wann muss man dafür verheiratet sein?

Jetzt wird halt die Menschheit aussterben!! Aus Reagenzglaesern werden keine gesunden Babys geboren. – Ich vermute mal, du meinst künstliche Befruchtung. Doch, die sind gesund, oder zumindest nicht kränker als ein „normal gezeugtes“ Baby. Dass ein Kind schon im Mutterleib erkrankt ist ja leider immer eine Möglichkeit, da spielt es keine Rolle, ob es durch natürliche oder künstliche Befruchtung entsteht. Die Menschheit wird aber sicher nicht deswegen aussterben.

Möchte Mal sehen, wie du das machen willst, das auch ich normal geschlechtlich heiraten kann? Denn ich schlafe mit keinem Schwulen bezw. einer Lespe! – Wie du es schaffst, zu heiraten, ist dein Bier. Nicht unseres. Aber du kannst genauso heiraten wie jeder andere Mensch auch. Hier mal ein paar Tipps. Und das dürfen nun bald auch alle Homosexuellen. Und liebe S. – nur weil du jetzt auch eine Frau heiraten darfst, heißt das noch lange nicht, dass du es auch musst. Du kannst auch nach wie vor einen Mann heiraten.

Ich habe mehr als nur diesen Beitrag gelesen, von unterschiedlichen Personen: Vertreter von Parteien und Religionen und auch vom „einfachen Mann“ der jeden Tag in die Fabrik zum Arbeiten geht. Die Leute haben wohl Angst, dass nun auf einmal sehr viel mehr Leute zu ihrer Homosexualität stehen werden, als vorher, da sie nun ja auch heiraten können.

Es gab tatsächlich die These, dass die „normalen Ehen“ nun einer höheren Scheidungsrate unterliegen werden, da die homosexuellen Männer nun endlich einen Mann heiraten können.

Ja, das wünscht sich natürlich jede Frau – eine Ehe mit einem schwulen Mann, der nur vorgibt, hetero zu sein. Das ist doch die ideale Beziehung für alle. *seufz*

Das homosexuelle Menschen in heterosexuellen Beziehungen leben (egal ob Ehe oder nicht) ist kein Problem der Ehe. Es ist ein Problem der Gesellschaft. Gerade schwule Männer werden immer noch stigmatisiert, meistens von anderen Männern, die ihnen die Männlichkeit absprechen. Macho-Bullshit.

Abschließend: Die Ehe für Alle mag verfassungswidrig sein, aber wie Jörn Ipsen schon in seinem Kommentar sagt, dann muss man eben die Verfassung anpassen. Sie ist moralisch aber schon lange nötig. Einfach alle Menschen sind gleich zu behandeln. So simpel ist das.

2 Kommentare

  • Na, da hast du doch gleich ein Thema, in das ich mich auch schon investiert habe. ^^ Den abgebildeten Kommentar hatte ich auch schon in meiner Filterblase gesehen und mich ähnlich wie du darüber aufgeregt. Aber ich finde es schön, wie du den Käse einfach mal Stück für Stück auseinander nimmst.

    Ich habe übrigens neulich einen Artikel, ebenfalls beim Tagesspiegel, gelesen, dass es immer noch ein Problem in dem Gesetz gibt, bzw. Regelungen im BGB vorerst unberührt bleiben. In einer lesbischen Ehe muss die „angeheiratete“ Frau ein während der Ehe geborenes Kind ihrer Partnerin weiterhin als Stiefkind adoptieren, um rechtlich als Elternteil zu gelten. Zum Nachlesen: http://www.tagesspiegel.de/politik/diskussion-ums-abstammungsrecht-die-ehe-fuer-alle-diskriminiert-lesben/20059482.html

    Ich würde da nicht unbedingt gleich das Wort Diskriminierung verwenden, aber ich glaube, dass es ein großer „oversight“ ist.

    Aber ansonsten hast du natürlich meine volle Zustimmung. Die Ehe für alle war überfällig. Übrigens hat wenige Tage nach Deutschland auch Malta als inzwischen 15. EU-Land nachgezogen und die Ehe geöffnet. Dadurch, dass Malta ja erzkatholisch ist, ist das schon ein großes Ding.

  • Alexander Redeker

    Das ein Kind schon im Mutterleib erkrankt …
    Das homosexuelle Menschen in heterosexuellen Beziehungen leben …

    das –> dass

    Ansonsten geh ich inhaltlich d’accord.

    Alex aus Frankreich – Weißt schon wer 🙂

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